Selbstbau eines TMB 130, f6

 

mein erstmal letzter Bild-Bericht und mein Abschied aus der Refraktor-Selbstbau-Szene

 

 

Hallo, liebe Leser, es ist nun vorbei mit meinen Refraktorbauten!


Und warum ?  

Nun, ich habe eigentlich in den letzten Jahren fast alles verwirklicht, was in meinem Kopf herumspukte.

Und nicht nur das!

Ich habe MAK´s umgebaut....

Intes-Micro Alter M500 - Modifizierung der Fokusiereinheit

TeleVue seine Mängel mit dem blöden Schmirgelpapier innen aufgezeigt...

Umbau eines TeleVue TV 85

Ein wunderschönes Gitter-SCT zuwege gebracht...  

SCT ohne Tubusseeing

Habe mehrere Apos zum Leben erweckt...

Und einiges mehr, denke ich mal.

 

Dieser 130er TMB sollte mein letztes ( und auch aus Kostengründen lange herausgeschobenes )

Projekt. werden. 

Und auch vom Gewicht ist der 130er nun das „ Ende der Fahnenstange“.

Mehr macht für meine GP-D2 und meine kaputten Lendenwirbel keinen Sinn mehr.

 

Nun isser fertig, und ich denke, das soll es dann auch gewesen sein. 

( ich muß ja irgendwie nun auch mal an die Rente und die Altersvorsorge denken, mit über fuffiffufi,

oder? 

Danken möchte ich hier wie immer dem Lutz Liebers für seine hervorragenden Dreharbeiten an teils

unmöglichen Alu-Legierungen und auch Peter Burgermeister, der nicht wenig Anteil am Gelingen des

Projektes hatte  mit seinen hilfreichen Infos. 

Prost auf Euch, meine Herren ! Täterä!  

Und diesesmal werde ich keine „ Bauanleitung „ liefern , sondern will dem, den es interessiert, anhand

von Beispielen einige  Hinweise für künftige eigene Projekte geben.

O.K. ?

Gut, dann Schluß mit der Polemik.  

Alle Bilder können angeklickt und vergrößert werden, die Bild-Nr. sollte man geflissentlich übersehen,

die ist nur, damit ich den Überblick behalten konnte.

 

Das 130er f6 Objektiv ist incl. Justierflansch sehr schwer ( 3,9 kg ) 

Und  da man ja ein möglichst  handliches Teilchen möchte, sollte man sehr genau überlegen wie man es

angeht. 

Wenn man bei f6 mit 2“-WW-Okus ( z.B. Nagler 31 ) keine Vignettierung will , kann es mit einem 

2“ Feathertouch einfach nicht hundertprozentig funktionieren.  

Egal, was mancher Händler anbietet, zeichnet man es sich auf, dann ist der 2“-OAZ die „ Bremse „ bei

f6 für Okus mit großer Feldblende ! Das ist nun mal so.  

Allerdings ist auch mit einem 2"-Auszug ala Feathertouch und Co. ein super Gerät zu hinbekommen. Die

auftretende Vignettierung wird man wohl visuell kaum wahrnehmen, mein Hinweis ist etwas für

Perfektionisten!

Sollte man dennoch einen 2"-Auszug einplanen so würde ich aber auf alle Fälle die Möglichkeit des

späteren Einsatzes von 3"- oder 4"-Auszügen konstruktiv offenhalten.

Also galt es , erstmal einen passenden OAZ zu finden. 

Einen 4“ Feathertouch hatte ich an meinem 115er TMB-Projekt eingesetzt

http://www.tbrumm.de/selbstbau_eines_tmb_115_mit_miniaturansicht.htm  

Der ist klasse, aber auch sehr schwer ( ca 3 kg )!

Baader bietet seit einiger Zeit einen 3“ Hyperion-Auszug an. Ich habe ihn mir zum Testen kommen

lassen und ihn dann auch gekauft.

Der Preis ist etwa 30% geringer als der des Feathertouch und das Gewicht nur die Hälfte, nämlich 1.5

kg!!

Durch die Zahnstange ( Rack-und Pinion-System)  hat er aber etwa 2-3 Bogensekunden Shifting, was

der Feathertouch halt konstruktionsbedingt  nicht hat . Ich kann damit leben!

http://www.baader-planetarium.de/zubehoer/mechadap/fokussierung.htm

Meine Meinung:

durchaus empfehlenswert, er läuft sehr sanft, die Feineinstellung perfekt, die Innenverblendung mittels

eingefräster Blenden ist top und die Montage mittels des Hilfsflansches genial, da man sich jedwede

Gewindeschneiderei erspart!

 

Bild 1 

Bild 27

Auf dem OAZ sitzt mein schon lange bewährter 5-fach TEC-Okularrevolver, welcher allerdings auch

einiger Nachbearbeitung bedurfte.

 

Bild 2

Was den TEC-5fach_Revolver betrifft, so handelt es sich offensichtlich um einen Nachbau des

damaligen 5-fach DDR-Zeiss-Revolvers.

Allerdings leider ohne die erforderliche  matte  Schwärzung im Inneren zu beachten.

Das Ding ist innen glänzend eloxiert, ohne eigenen Eingriff nur bedingt tauglich.

Ich habe den Spiegel etwas nachjustiert und das Innere komplett mit Velours von Protostar 

( siehe weiter unten ) ausgelegt, nun ist er ein klasse Teil! 

Meine Meinung:

Absolut empfehlenswert nach entsprechender „ Entspiegelung „.....

 

Das Rohr ist bei Gerd Neumann bestellt mit 135mm Innendurchmesser, 140mm Außendurchmesser und

440mm Länge.

Der Vorteil betsteht nicht nur in der nach Wunsch gefertigten Wandstärke , sondern auch in den exakt

abgedrehten Tubusendenden.

http://www.gerd.neumann.net/v2/deutsch/hp-tuben.html

 

Wir hatten hier mal ein Diskussion über den Sinn oder Unsinn der genauen Winkligkeit von 

Tubusenden.... 

  http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/ubbthreads.php/ubb/showflat/Number/399477#Post399477

und ich sage Euch:

aufgrund der exakten , winkligen Abstechung der Enden habe ich hier zum Schluß am Objektivflansch 

keine Kolli-Arbeit mehr vornehmen müssen.

Sterntest ist perfekt. Und da werde ich auch den Teufel tun, da noch rumzuschrauben, obwohl ich es

bestimmt beherrsche!

Meine Meinung:

Das Rohrmaterial, welches Gerd  vertreibt ist allererste Sahne und in bester Qualität und Maßhaltigkeit.

Jedwede Möglichkeit der Kolli sollte bei jedem Gerät berücksicht bzw. offengehalten  werden. Ob man

es dann braucht ist eine andere Sache.....

 

Für die Aufnahme des Objektives ( und analog des OAZ ) habe ich wie immer von Lutz einen Ring

drehen lassen, der halt auf das Rohr passt....

 

Bild 3

 

Bild 4

 

Bild 5 

Die Befestigung erfolgt von innen mittels eingesenkter M3-Edelstahlschrauben....

 

Bild 6

 

Bild 7

Nun, der OAZ wird natürlich auch am Tubus in einer entsprechenden  Tubusabschlussplatte mittels 

 Senkschrauben befestigt.

 

Bild 8

Hat man das soweit hinbekommen, gilt es, den OAZ auf seine Ausrichtung auf die Achse zu prüfen und

 ggfs. nachzujustieren..

 

Hierzu habe ich einen Laser selbst gebaut und erstmal in die richtige Kolli gebracht  

http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/ubbthreads.php?ubb=showflat&Board=4&Number=217416&Searchpage=1&Main=28211&Words=rotationssymmetrie&topic=0&Search=true - Post217416

und dann alles getestet.

War perfekt!

 

Bild 9

In der Mitte des angezeichneten Kreuzes befindet sich ein Nadeleinstich als eigentlicher Mittelpunkt!

 

Bild10

 

Bild 11

 

Bild 12

 

Bild 13

 

Vielleicht noch ein Hinweis:

Mit das Wichtigste ist ( und guckt mal alle meine Berichte an ) ein guter Handgriff am Gerät. 

Man, ein Gerät, wie schwer oder leicht es auch sein mag, muß einfach vernünftig in die Monti gesetzt

werden können. Oder weggeschmissen werden.....

 

Uns da gibt es Unterschiede.

Es gibt „ schöne „ Griffe, die aber für das Handling total bekloppt sind.

Schönheit  ist eben nicht alles!

Ich habe hier die Griffe meiner Wahl gefunden: 

http://www.ganter-griff.de/?cmd=normblatt&guid=d490a5bb-7466-48cc-8ad8-f2dbc86af0dd&LCID=1031&pageID=produkte

 

 

Bild 26

Meine Meinung:

Der beste Griff, den man sich genehmigen sollte.

Sieht zwar nicht „ toll „ aus, ist aber vom Handling her unübertroffen!

 

Und noch was: 

Falls man nur visuell „ guckt „ , ist die Wahl und die Montage der Prismenleiste relativ unkritisch. 

Hat man aber ein „ GOTO-System „, dann muß die Orthogonalität der Teleskopachse zu Polachse

hergestellt sein, sonst hat man keine Freude an der Sache. 

Und dazu ist eine justierbare Prismenleiste unumgänglich! Das läßt sich recht einfach durch die

Verwendung  von Zug- und Druckschrauben realisieren. Im Bild sieht man die versenkten

Madenschrauben ( Druckschrauben ) und die großen Inbusschrauben ( Zugschrauben ).

 

Bild 24

 

Bild 25   

Mehr darüber kann man sehr schön hier, Anhang A, nachlesen:

http://skyeng.com/images/skycomm manual.pdf

 

Anschließend  erfolgte die Lackierung „ weiß „. 

Wer meine bisherigen Projekte kennt weiß, dass ich am liebsten Goldfolie verwende.

Diesmal wollte ich „ klassisch „  weiß nehmen. 

Und da möchte ich auf den tollen Tip von Peter Burgermeister hinweisen! 

Die Farbe (  Allprimer und Weiß Satin ) von 

http://www.cd-color.de/ger/ 

ist oberaffengeil.  

Leute, ich kann nur mit der Rolle im Wohnzimmer arbeiten, aber das Ergebnis ist einfach genial.

Am Tageshimmel, wenn die Sonne runterkracht, bleibt das Rohr aufgrund der Titanoxidpartikel im Lack

kalt. Unglaublich, ist aber so! 

Und , es wird oft im Internet behauptet: Alu lässt sich nicht lackieren. 

Das stimmt so wohl nicht, denn die Herstellfirma nennt auch ALU als lackierbar.  Ich habe es mit Erfolg

probiert!

Meine Meinung:

Diese Farbe ist für jeden Selbstbauer absolut empfehlenswert, zumal man sie auch mit der Rolle

auftragen kann. 

Hier einige Impressionen von den Lackierarbeiten ...

 

Bild 14

 

Bild 15

 

Bild 16

 

Bild 17  

Nachdem alles o.k war, habe ich die Teile halt zusammengebaut für einen kleinen Test.....

 

Bild 18

 

Bild 19

 

Bild 20

 

Bild 21

 

Bild 22

Wunderschön schon am Morgen die Sonne mit Herschelprisma von Baader....

 

Bild 23

Ja, ich weiß: die Taukappe fehlt noch.

Habe ich aber selbstverständlich schon imVisier , es bedarf aber noch einiger Maßnahmen.....

Und eine Taukappe ist meiner Meinung nach nicht mehr Wert, hier extra beschrieben zu werden. Das

habe ich z.B in meinem  Bericht über die Optimierung meines 105er TMB gemacht.

http://www.binoviewer.at/teleskoptuning/TMB105_optimierung.htm

 

Ach so, was habe ich denn im Inneren gemacht, Blenden? Kegelblenden? Oder nix?

Vorab:

richtig! gesetzte Blenden und richtig dimensionierte Blenden sind immer die beste Lösung!

Und dabei sollte man die Blenden so auslegen, daß von der Okularseite aus überhaupt kein Tubusstück

im Inneren irgendwie zu sehen ist!

http://www.berfield.com/baffles.html

( hier sollte man immer den untersten Satz im Link beherzigen! )

Aber, eine perfekte Innenschwärzung ist einfacher zu erhalten und in jedem Fall besser als falsch

dimensionierte und falsch gesetzte Blenden. Ich kann nur warnen, einfach einige Blenden in das Rohr zu

stecken, wenn man nicht alle Faktoren kennt, die da berücksichtigt werden sollten.

Das könnte schon wieder ein anderer Bericht werden ...

Ich habe wieder das tolle Velours von Protostar eingesetzt  und natürlich alle nur mögliche

Reflektionspunkte im Inneren des Tubus und des OAZ und des TEC-Revolvers mit dem Velours

beschichtet.

 http://www.fpi-protostar.com/flock.htm

Perfekt. Keine Blenden notwendig, wenn man denn dann auch eine entsprechende Taukappe einsetzt.

Hier mal ein Bild der Austrittspupille.

Bild 28

 

Meine Meinung:

Der 130er TMB f6 ist allemal die Mühe und das Geld wert gewesen und hat mich bei seinen ersten

Einsätzen rundherum überzeugt.

Es ist das beste Allround-Gerät, was ich jemals zur Verwendung hatte.

Und das bei einem Strehl von " nur " 0,958 !

Das Gesamtgewicht liegt mit Okularrevolver samt Naglerokus bei etwa 8,5 kg.

Es ist also kein tatsächliches Leichtgewicht geworden. Na, was solls!

Das ist ja auch logisch , wenn man die Gewichte der Einzelteile bedenkt ( Gewicht des Objektives, des

OAZ des TEC-Revolvers, der Okulare, dem Tubus samt Alu-Drehteilen, Rohrschellen und massiver

Prismenleiste ) .

Mehr sollte es aber wirklich nicht sein, wenn man seine Gesundheit im Auge behalten will ...

 

 

Ich hoffe, ich konnte noch einige Infos geben. 

Ansonsten will ich gern allen Fragestellern Hilfe geben. 

Einen weiteren Bericht  gibt es nun erstmal nicht mehr.

 

In diesem Sinne, liebe Grüße an alle!

 

Euer Wolf, der nun wohl erstmal keinen Bericht mehr schreiben wird.....