Bequemer Einblick am Newton 8“ f4

 

oder

 

„ wie drehe ich einen Newton am besten in den Rohrschellen ? „

 

( ein kleiner Bildbericht, alle Bildchen können durch Anklicken vergrößert werden )

Eigentlich ein blöder Titel. Aber, man lese selbst ...  

Hallo , dieser Artikel bezieht sich speziell auf ein 8“ Newtonteleskop, welches in einer parallaktischen oder äquatorialen Monti verwendet wird.

Speziell geht es hier um mein 8“ f4 Projekt. Die nachfolgenden Bilder sind noch im Rahmen des Testzusammenbaus entstanden. Die Oberflächenbehandlung des Tubus und die Innenschwärzung sowie Feinarbeiten stehen noch aus!

Für Dobsonteleskope ist dies nicht gedacht!

 

Wer kennt das nicht!

...man hat sein Gerät samt Rohrschellen in der Monti, hat momentan eine gute Einblickposition und ist rundrum zufrieden.

Dann fährt man ein anderes Objekt an, und schon ist das Okular an einer Stelle angelangt, wo man nur noch mit Akrobatik und leichtem Fluch ins Okular schauen kann. 

Hier hilft nur, den Einblick ( analog zum drehbaren Zenitprisma beim Refraktor ) ebenfalls beweglich und der Position des Beobachters anpassbar zu machen.

Und man muß sicherstellen, dass bei Beobachtung in Zenitnähe der Tubus an seinem Platz bleibt und nicht etwa durch die Schwerkraft aus den Rohrschellen nach unten durchsackt! 

Es gibt da sehr feine Lösungen, vom komplett drehbaren Modul Spinne-OAZ und es gibt rotierbare Rohrschellen, die ähnlich einem Kugellager aufgebaut sind und die den Tubus drehbar und dennoch fest halten. 

Ich zeige hier eine Variante, die mit weniger Aufwand realisierbar ist und bei der das Okular dennoch der Beobachtungsposition anpassbar ist und der Tubus selbst bei senkrechter Position sicher in den Schellen verbleibt und eben nicht nach unten wegsackt.

 

Wie? Ganz einfach!

Der Gedanke ist, den Tubus zunächst in der Rohrwiege  ( Rohrschellen auf der Prismenleiste ) vernünftig drehbar zu machen und außerdem durch eine geeignete Führung an seinem Platz zu halten. 

Um die Stabilität in den Rohrschellen zu maximieren ist es sinnvoll, die Schellen möglichst weit auseinander zu platzieren. 

Man nehme zunächst also 2 passende Rohrschellen, welche dem Außendurchmesser des Tubus entsprechen und welche auch sehr genau an den Tubus angepasst sind. Die von mir verwendeten Schellen waren bei Anlieferung eher eiförmig. Ich musste sie erstmal richten, sodaß ein sauberer Formschluß zum Tubus erfolgt.

bild1.jpg (54037 Byte)

Die Rohrschellen werden bei mir auf einer 28cm langen GP-Prismenleiste mit M8-Inbusschrauben befestigt und so zum Tubus ausgerichtet, dass sie nicht verkantet zum Tubus stehen und sauber und ganzflächig an der Tubuswandung aufliegen.

Damit ist gewährleistet, dass mit der Klemmung der Schellen die Reibungskraft zwischen Schellen und Tubus gut variiert und damit der Tubus mehr oder weniger straff geklemmt werden kann. Somit ist ein feinfühliges Drehen des Tubus in den Schellen generell möglich. Die Betonung liegt auf „ feinfühlig „ !

Nun muß der Tubus an der festgelegten Position ( logischerweise der Schwerpunkt des Teleskopes ) in der Mitte zwischen den Schellen gehalten bzw. geführt werden. 

Dazu habe ich mir einen Führungsring aus 8mm Rund-Alu passend zum Tubusaußendurchmesser geformt, welcher genau im Schwerpunkt des Tubus und exakt im rechten Winkel zur Tubusachse an die Wandung des Tubus geschraubt wird.

bild2.jpg (55399 Byte)

bild2_2.jpg (58133 Byte)

Dieser Führungsring muß nun seinerseits in der Rohrwiege geführt werden. 

Das übernimmt ein Teflonwürfel, welcher einen zum Führungsring passenden Ausschnitt enthält und welcher mittig auf der Prismenleiste befestigt wird.

Übrigens, es muß nicht unbedingt Teflon sein! Jedwede andere Art von Führung ist geeignet, sofern sie nur einen  geringen Reibungswiderstand gegenüber dem Alu-Führungsring hat. Ich habe es beim Teflon erstmal belassen, weil der Würfel nun mal fertig war und bestens passt! 

Auch hier ist auf exakte Rechtwinkligkeit des Ausschnittes zur Tubusachse zu achten.

bild3.jpg (38759 Byte)

Bild 3_2.jpg (48835 Byte)

Und damit man das Teleskop auch vernünftig bewegen und handhaben kann, darf der bei mir standardmäßige Handgriff nicht fehlen.

Der ist generell immer sinnvoll, denn auch das Aufsetzen auf die Monti wird sehr erleichtert, vom Drehen des Teleskopes ganz abgesehen.

bild4.jpg (62183 Byte)

Nun wird das Teleskop in die Rohrwiege so eingesetzt , daß der Führungsring in der Führung des Teflonwürfels sitzt.

Bild 5.jpg (79682 Byte)

Fertig? 

Fertig!

Man setzt das Teleskop in die Monti und fängt mehr oder weniger begeistert mit der Himmelsbeobachtung an.

Gefällt die Einblickposition nicht mehr, löst man die Schellen,  bis der Tubus leicht in den Schellen drehbar wird und dreht dann mittels Handgriff den Tubus soweit zu sich, bis der Einblick wieder angenehm ist.

Und selbst in zenitnaher Position, wo ja eigentlich beim Drehen der Tubus infolge der Schwerkraft und der überwundenen Haftreibung gleichzeitig nach unten durchrutschen würde, bleibt alles an seiner Stelle.

Garantiert!

bild6.jpg (58941 Byte)

bild7.jpg (50820 Byte)

bild8.jpg (54138 Byte)

bild9.jpg (60469 Byte)

bild10.jpg (96037 Byte)

 

 

Und hier kann man das noch in einem kleinen Filmchen nachvollziehen, welchen man mit dem Mediaplayer öffnen kann….

zum Film ( ca. 13 MB )

 

P.S. Bei mir hat es sich gezeigt, dass die Schellen generell nur recht schwach angezogen werden müssen. Das hängt ab von der Art der Beschichtung des Tubus und von der  verwendeten Auskleidung der Schellen ( Filz oder dgl. ) 

In diesem Sinne!

 

Beste, drehbare Grüße!

Wolf

Wolfgang Höhle   

t.brumm ( ätt ) gmx.de