SCT ohne Tubusseeing  - ein kleiner Bildbericht -

 

( Hinweis: jedes Bild kann angeklickt und damit vergrößert werden! 

Im Nachtrag gibt es noch spezielle Hinweise zur formschlüssigen Adaption der Prismenleiste und zum Streulichtschutz )

Jeder SCT-Besitzer kennt das Problem:

Der Himmel reißt auf, man will schnell raus und beobachten und kann doch nicht, weil die Abkühlzeit von weit über einer Stunde einen ausbremst und das Tubusseeing einem die Lust zur Beobachtung verleidet.  

Abhilfe bringt da natürlich der Einbau von Lüftern, wie ich es auch vor langer Zeit mal beschrieben habe.  ( siehe Link am Ende des Berichtes )

Aber bei meinem jetzigen C6 wollte ich das mal ganz anders machen, nämlich einen offenen Gitterrohrtubus herstellen .

Denn damit erfolgt eine schnellere Abkühlung der Komponenten und ein Tubusseeing, wie  beim geschlossenen Tubus,  kann erst garnicht auftreten.  

 

Wie bin ich vorgegangen?  

Im Prinzip ist das ganz einfach. Es geht darum, den Rohrtubus nur durch eine ausreichend stabile Gitterrohrkonstruktion zu ersetzen und diese exakt zentrisch zwischen die Hauptspiegelzelle und die Schmidtplattenhalterung zu bringen.  

Die Anschlüsse an diese Komponenten erfolgen dann wie beim Standardtubus durch Rohrstücken ( Alu-Ringe ) , welche an beiden Enden mit der Gitterrohrkonstruktion verbunden sind.  

Zunächst habe ich mich um die Einzelteile gekümmert.  

Hier sieht man sie…  

Die Grundplatte an der Hauptspiegelzelle mit den Bohrungen für die Gitterrohrstücke.

   

Die Aufnahmezelle an der Schmidtplatte.

   

An den 4 Punkten zur Aufnahme der Gitterrohrstücke habe ich entsprechende Aufnahmelaschen angebracht. Diese sind zunächst geklebt und werden dann später noch vergossen…

Die Anschlußstücke an die Hauptspiegelzelle und die Schmidtplattenhalterung sind ebenfalls aus Aluminium hergestellte Ringe und werden später in die Konstruktion eingeklebt.

   

Das Hauptproblem ist, daß die Gitterrohrkonstruktion exakt zur optischen Achse verläuft.

Doch auch das war eigentlich kein Problem, denn ich habe das gesamte Gerät in seinem Ursprungszustand sozusagen als „ Helling „ benutzt.  

Zunächst erstmal die Grundplatte und die Aufnahmezelle auf den Tubus gebracht und sie bündig mit der Hauptspiegelzelle bzw. der Schmidtplattenhalterung arretiert. Damit sitzen sie zentrisch und mit ausreichender Genauigkeit.  

 

Anschließend werden die Gitterrohrstücke in die Aufnahmen gesteckt , eingeklebt und im Rahmen der Feinarbeit mit Epoxidharz vergossen. Wichtig ist dabei, daß die Rohrstücke absolut spannungsfrei in den Aufnahmen sitzen, bevor sie verklebt werden.

Wenn sie bereits vor der Verklebung klemmen würden, wäre ein Verziehen der Konstruktion später unvermeidlich.

 

Wenn das alles ausgehärtet ist wird der Gitterrohrtubus abgenommen und an den Klebestellen der Rohrstücke nun die Feinarbeit mit Epoxidharz vorgenommen.  

   

Nun müssen nur noch die Anschlußstücke in die Konstruktion eingeklebt werden, was sicher nicht extra beschrieben werden muß.

   

Ist das geschehen , so bleibt eigentlich nur noch die Einbringung der Gewindelöcher, um die Hauptspiegelzelle und die Schmidtplattenhalterung analog zum geschlossenen Tubus einschrauben zu können.

Hier ist noch mal Augenmerk gefragt, denn die beiden Komponenten müssen exakt bündig zur Gitterohrkonstruktion sitzen, sonst war die genaue Vorarbeit umsonst.

Und wenn man falsch bohrt kann es schnell passieren, dass die eine der Komponenten schief sitzt, was man ja nun unbedingt vermeiden will.  

Anschließend erfolgt ein Testzusammenbau um zu prüfen, ob alles auch paßt.

Es paßt!

   

Letztlich noch etwas Kosmetik in Form einer Lackierung.

Ich habe natürlich wiedermal meinen Lieblingsfarbbton „ golden „ verwendet.

Na, da kann man aber geteilter Meinung sein.

 

Dann noch die Anschlußstücke mit Velours auslegen

Abschließend  Handgriff und Halter für Peilsucher angebaut. Geschafft!

 

Und hier ist das Teil fertig und einsatzbereit .

 

 

Das Ergebnis?  

Nun, die Abkühlzeit beträgt bei einem Temperaturunterschied ( drinnen draußen ) von etwa 20 Grad gerademal  20 Minuten.  

Natürlich werden die üblichen atmosphärischen Einflüsse nicht beseitigt.

Aber Tubusseing in der herkömmlichen Art, wie es immer verflucht wird, gibt es nicht mehr.

Einfach schön!

In diesem Sinne immer gute Durchsicht ohne Tubusseeing!

     Wolfgang Höhle  

 

 Nachtrag

Prismenleiste neu adaptieren

Natürlich musste auch die Prismenleiste neu an der Hauptspiegelzelle angebracht werden. Die Hauptspiegelzelle ist aber leicht gerundet, sodaß ein einfaches Anschrauben nicht vernünftig machbar ist.

Hier habe ich die von mir oft praktizierte Variante angewendet, bei der ich erstmal eine Basisplatte mittels Epoxidharzknete formschlüssig anbringe und auf diese dann die Prismenleiste montiert wird.

Dabei wird die Basisplatte natürlich nicht geklebt, sonder nur mittels der Epoxiknete die Formschlüssigkeit hergestellt!  

Hier sieht man die Basisplatte bereits mittels Epoxiknete an der Hauptspiegelzelle angedrückt. Ein entsprechendes Trennmittel befindet sich dazwischen, damit auch nichts festklebt.

   

Dann geschwind möglichst viel der überstehenden Masse entfernen, bevor sie steinhart wird.

Reste kann man nach dem Aushärten mit der Feile und Schleifpapier entfernen!

So ist sie schließlich an die an der Zelle montiert.

     

Zuletzt wird daran nun noch die Prismenleiste befestigt.

 

 Streulichtunterdrückung

Bei einem SCT ist die Streulichtunterdrückung relativ einfach, wenn man weiß, wo Streulicht vorrangig Schaden anrichtet:

Nämlich hauptsächlich innerhalb der beiden Blendrohre.

Das große Blendrohr trägt ja auch den Hauptspiegel, und das kleine Blendrohr umschließt den Fangspiegel.

Bei beiden wende ich meine „ Standardvariante „ an, indem ich erst mal aus dünnem, schwarzen Karton einen Innentubus bzw. Außentubus herstelle, diesen dann mit Velours ( hier wieder das hervorragende von Protostar  (  http://www.fpi-protostar.com/ ) beschichte und den betreffenden Velourstubus dann entsprechend einsetze.

Hier sieht man mal als Beispiel das kleine Blendrohr innen mit Protostarvelours ausgelegt .

   

Und hier das große Blendrohr außen mit aufgestecktem Velourstubus.

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Links zu meinen weiteren Selbstbauten und Optimierungen