Spiegelshifting am SCT Celestron C6 minimieren

 

( ein kleiner Bildbericht )

 

Für alle Shiftinggeplagten habe ich nachfolgend eine Anregung, wie man da deutliche Verbesserungen erreichen kann.

Realisiert habe ich das an einem neuen C6 von Celestron.

Diese Lösung ist nicht auf die z.B. die RussenMAK übertragbar, da dort der Fokussiermechanismus anders und besser durchdacht ist und das Shifting sehr minimal ausfällt, sodass es nicht stört.  

 

Alle nachfolgenden Bilder kann man durch Anklicken etwas vergrößern!

 

 

1. Wie entsteht denn das Spiegelshifting überhaupt?

 

Der Hauptspiegel ist auf einem Führungsrohr montiert, welches wiederum auf dem Blendrohr hin-und herbewegt wird und damit die Fokuslage des Systems bestimmt.

Dabei ist die Konstruktion so, dass seitlich von der Hauptspiegelhalterung ein Blecharm herausragt, an welchem die Fokussierspindel starr befestigt ist.

 Bild1.jpg (41487 Byte)

 

Diese Fokussierspindel greift in den Fokussierknopf im Hauptspiegelgehäuse ein .

 Bild2.jpg (40774 Byte)

Dreht man nun am Fokussierknopf, so erfolgt die Verschiebung des Hauptspiegels ( und damit die Fokussierung ) über die Fokussierspindel und den seitlich herausragenden Blecharm.

 

Nun stelle man sich vor, das Teleskop zeigt senkrecht nach oben und die Fokussierspindel samt Fokussierknopf sei rechts.

Der Hauptspiegel auf dem Führungsrohr will infolge der Schwerkraft nach unten rutschen, wird aber durch die seitlich angebrachte Fokussierspindel daran gehindert.

Es  entsteht also ein Drehmoment, welches sich auf die gesamte Hauptspiegelhalterung einwirkt .

Und da zwangsläufig zwischen dem Hauptspiegelführungsrohr und dem Blendrohr ein, wenn auch noch so kleiner , Luftspalt besteht, kippt das gesamte System um den Betrag des Luftspaltes tatsächlich etwas nach links ab!

Das heißt, der Hauptspiegel sitzt in der Tat minimal „ schief „ nach links.

Zwischen dem Blendrohr und dem Hauptspiegelführungsrohr befindet sich ein Schmierfett, damit die ganze Sache besser läuft. Die Viskosität des Fettes bewirkt nun aber auch, dass, wenn ich  den Spiegel durch Rechtsdrehung des Fokussierknopfes etwas „ nach unten „ ziehen will, der Spiegel nun wegen der Zähigkeit des Fettes nicht gleich mitkommt und so infolge des o.g. Spiels nach „ rechts „ kippt.

 

Das ist das lästige Spiegelshifting, welches sich beim Fokussieren ( und da dreht man den Fokussierknopf mal nach rechts, mal nach links ) je nach Fertigungsgenauigkeit des Teleskopes mehr oder weniger störend durch ein wechselweise Kippen des Hauptspiegels und damit durch ein Wandern des Objektes im Bildfeld  zeigt.

Das passiert nicht nur in vertikaler Lage des Teleskopes, sondern auch in anderen Stellungen mehr oder weniger stark.

Bei horizontaler Stellung des Teleskopes liegen zwar die Komponenten erstmal nicht verkippt aufeinander, aber im Moment des Fokussierens stellt die Reibung und die Viskosität des Fettes eine Gegenkraft auf und das Shifting ist ebenfalls vorhanden.

Eine verflixte Angelegenheit.

Bei dieser Gelegenheit noch eine Bemerkung zum Fett. Selbst wenn man keinen Umbau vornehmen will, sollte man mal sehen , was für Fett verwendet wurde. Denn, je höher die Viskosität, desto stärker macht sich das Shifting bemerkbar. 

Es ist ein Trugschluß zu glauben, durch Verwendung von viel und zähem Fett den Luftspalt  verkleinern und das Shifting minimieren zu können. Nämlich aus o.g. Grund.

Ich habe es mit verschiedenen Sorten versucht und bin immer wieder bestätigt worden, daß Fett mit geringerer Viskosität besser ist!

 

 

 

2. Was habe ich alles schon versucht?

 

Ich habe sowohl früher an meinem C8 als auch jetzt am C6 einige schon veröffentlichte Varianten probiert.

Diese haben mich aber absolut nicht überzeugt da teilweise das Shifting sogar verstärkt wurde.

Ich will darauf nur kurz mit einigen Bildern eingehen.

 

Das war z.B. das Einbringen von feinsten Blechstreifen zwischen Blendrohr und Hauptspiegelführungsrohr, um das Spiel zu minimieren. Der sichtbare Pappdeckel war mein Schutz des Hauptspiegels .

 Bild3.jpg (27938 Byte)

 

Das war auch die Variante mit je 3 Kunststoffschrauben vorn und hinten im Hauptspiegelführungrohr.

 Bild4.jpg (19340 Byte)

 

Und das war die Anbringung von Teflongleitflächen.

 Bild5.jpg (26120 Byte)

 

Dazu mussten natürlich Gewindelöcher in das Hauptspiegelführungsrohr eingebracht und der Hauptspiegel geschützt werden.

 Bild6.jpg (25914 Byte)

Bild7.jpg (39359 Byte)

 

3. Mein „ Geistesblitz „ :-)

  

Und wie minimiert man das Shifting mit Erfolg?

Ganz einfach!

 

Ich habe mir gedacht, dass ich die Schwerkraft überliste und den Spiegel dazu bringe, ständig und immer nur die gleiche Kippstellung am Blendrohr einzunehmen.

Ich bringe den Spiegel dazu, nicht durch die Schwerkraft nach unten zu drücken und damit nach links zu kippen, sondern ich drücke den Spiegel mit einer solche Kraft „ nach oben „ , dass er nun  nicht mehr durch die Fokussierspindel abgestützt wird, sondern dass die Fokussierspindel ihn bewahrt, nach oben zu rutschen.

Diese geringe Kippstellung ist weiter nicht schlimm und wenn sie konstant bleibt, so lässt sich auch die Kollimation des Systems vernünftig durchführen.

Diese Konstanz der Stellung erhalte ich, wenn ich die Druckkraft nach oben so groß auslege, daß bei jeder Bewegung der Fokussierspindel die Kraft auf den Spiegel und damit die Verkippung nach rechts größer ist und beibehalten wird.

Das heißt, der Spiegel will immer etwas schneller nach oben rutschen, als die Spindel hergibt. Damit bleibt der Zug an der Spindel und somit auch dir Rechtskippung des Spiegels erhalten.

 

Und das ist doch ganz einfach zu realisieren!

Einfach eine entsprechend dimensionierte Druckfeder zwischen Hauptspiegelhalterung und Hauptspiegelzelle über das Blendrohr setzen.

Bild8.jpg (56516 Byte)

Bild9.jpg (35372 Byte)

Bild9a.jpg (32132 Byte)

 

Diese Druckfeder habe ich mir aus 3mm VA-Schweißdraht hergestellt.

Natürlich erhöht sich nun beim Fokussieren der Widerstand des Drehknopfes etwas. Die Fokussierung läuft aber dennoch ruckelfrei und weich.

Der Effekt ist für mich beeindruckend.

Bei meinem 4mm Okular mit 3mm Feldblende hatte ich bei 1500mm Brennweite etwa ein halbes Gesichtsfeld ( ca. 1,5 mm ) Shifting. Stand das Objekt zunächst in der Mitte, war es beim Fokussieren fast aus dem Bildfeld gerutscht.

Nun sind es maximal 1/10 des Gesichtsfeldes ( ca. 0,3 mm ).

Ich habe auch versucht, die Kippung des Spiegels durch Gegenschrauben im Vorderteil des Hauptspiegelführungsrohres zu beeinflussen.

 Bild10.jpg (33250 Byte)

Das hat aber keinen Effekt gebracht außer, dass der Reibungswiderstand erhöht wurde und die ganze Einheit schwerfälliger auf dem Blendrohr lief.

Das bringt also keinen weiteren Nutzen.

Ich habe nach Abschluß der Arbeiten bemerkt, dass dieses minimale restliche Shifting bereits auftaucht, wenn ich den Fokussierknopf nur einfach berühre.

Der ist nämlich mit ziemlich viel Spiel in seiner Lagerung versehen, und so führt ein dadurch ausgelöstes Ruckeln an der Fokussierspindel zwangsläufig zum Ruckeln des Hauptspiegels.

Aber, das müsste ich mir auch mal vornehmen.

 

 

4. Das Ergebnis

 

Das sieht dann von außen erst mal auch nicht viel anders aus. Wer mich kennt weiß, dass es allerdings ohne den obligatorischen Handgriff und meinen Lieblingspeilsucher nicht geht.

 Bild11.jpg (34546 Byte)

Ich hatte vor dem Umbau eigentlich schon angedacht, den Hauptspiegel festzustellen und eine Crayford anzubauen.

Das ist aber nun für meinen Bedarf absolut überflüssig geworden.

Ich bin es erstmal zufrieden.

 

5. Kann man diese Lösung  auf größere Geräte übertragen?

 

Ich glaube schon, aber hier sind natürlich andere Gewichte des Hauptspiegels im Spiel .

Das müsste dann jeder für sich ausprobieren.

Ich denke aber, das es schon machbar wäre.

 

Wolfgang Höhle

t.brumm@gmx.de